Portrait von Wolfgang Voigt alias GAS

Die Flucht in eine andere Welt

Wolfgang Voigt (GAS) über „Narkopop“ und das Infragestellen vermeintlicher Widersprüche

Es ist bereits 17 Jahre her seit der letzten regulären Platte, die der Kölner Wolfgang Voigt unter seinem wohl bekanntesten Pseudonym GAS veröffentlicht hat. Eine überaus lange Pause für ein Projekt, dessen überraschende Fortführung die Zeitlosigkeit dieser Musik verdeutlicht. Der Mitbetreiber des Kölner Labels Kompakt gilt vollkommen zu Recht als einer der Pioniere der Ambient- und Minimal-Bewegung und führt uns mit „Narkopop“ erneut in einen rauschhaften Wald aus Zeichen. GAS ist ein musikalischer Sehnsuchtsort, die Flucht in einen ganz eigenen audiovisuellen Kosmos zwischen Waldhorn und Bass Drum.

Davon überzeugen kann man sich beim Auftakt einer neuen Reihe der Bundeskunsthalle: live arts startet am 10. Juni mit einem Doppelkonzert von GAS  und Gregor Schwellenbach, der eigene Kompositionen mit Kompakt-Klassikern verbindet.

Wir haben Wolfgang Voigt bereits im Vorfeld sprechen können und ihm ein paar Fragen gestellt – zu „Narkopop“ und der ersehnten Rückkehr und Einordnung von GAS im Hier und Jetzt.

Was ist „Narkopop“ und wofür steht es (im GAS-Kosmos)?

„Narkopop“ nimmt die Reise in den audiovisuellen GAS Kosmos da wieder auf, wo sie 2000 unterbrochen wurde. Ein wichtiger Ansatz beim Produzieren war mir, die Essenz der GAS-Alben aus den 90er-Jahren aufzugreifen und in einem weniger hermetischen Raum enger zusammenzufassen.

Was zeichnet GAS aus – auch im Vergleich zu deinen anderen Projekten und Pseudonymen?

Die meisten dieser Projekte repräsentieren eher den urbanen, diskursiven, bisweilen auch provokanten Teil meiner künstlerischen Arbeit. GAS steht eher für die Flucht davor in einen inneren psychedelischen Seelenwald, in eine andere Welt.

Warum hast du mit GAS so lang pausiert, und was war der Auslöser für diese überraschende Veröffentlichung deines neuen Albums?

Ich hatte den musikalischen Grundstein für „Narkopop“ bereits im Jahr 2000 gelegt. Aber meine künstlerische Reise führte mich in den folgenden Jahren zunehmend in eher abstraktere, atonalere Kunstmusikwelten. Letztes Jahr war die Zeit dann gekommen. Alles hat sich gut und richtig angefühlt.

Dürfen wir denn auch weiteres erwarten?

Sag niemals nie.

„GAS steht für die Flucht in eine andere Welt.“

Retro oder zeitlos?

Auf jeden Fall zeitlos. Niemals retro. Eine schöne Philosophie in der Musikgeschichtsschreibung sagt: „Die Dinge dürfen wiederkommen, wenn sie wissen, warum sie weg waren.“

Welchen Stellenwert hat die visuelle Seite von GAS?

Der auf Klassik, vor allem auf Streichern und Bläsern basierende Klang hatte von Anbeginn seine visuelle Entsprechung in meinem durch Pop Art geprägten, psychedelischen Blick in den Wald. Das ist bis heute so.

Wie siehst du die Entwicklung, dass Techno bzw. Elektro (in allen Formen) immer mehr in die sogenannte Hochkultur drängt?

Meine künstlerische Arbeit ist von je her stark von Genre- und Grenzüberschreitung, ebenso wie vom Infragestellen vermeintlicher Widersprüche geprägt. Wohin Techno im Allgemeinen drängt, kann ich nicht beurteilen. Ich mache nur meine Arbeit bzw. folge meinen künstlerischen Visionen.

Dein All Time Favorite?

Zu viele, um einzelne hervorzuheben.

Und was hörst du gerade?

Die Geräusche von Baumaschinen.

 

(Videomaterial: from out of sounds / ambientfestival)

live arts
Ambient-Konzert von Gregor Schwellenbach / GAS

Samstag, 10. Juni 2017, 20.00 Uhr
Das Konzert ist bereits ausverkauft! Eine begrenzte Anzahl Stehplatzkarten ist für 12 EUR an der Abendkasse erhältlich.