Wissenschaftler präsentieren sich dem Publikum auf der Bühne beim Science Slam

Science Slam

Das Rockkonzert der Wissenschaft

Wissenschaft auf der Bühne – das war vor zehn Jahren noch undenkbar. Gemeint sind nämlich nicht die klassischen Vorträge oder Panels mit und für Eingeweihte, sondern Unterhaltung pur – in einem Science Slam!
Was sich auf der Bühne abspielt, ist die Wortschlacht der Wissenschaft. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präsentieren dem Publikum innerhalb von nur zehn Minuten einen Einblick in ihre eigene Forschung. Oberste Regel: Langeweile verboten!
Mit Skepsis standen vor allem die Vertreter der Universitäten und der Wissenschaft dem Konzept gegenüber, das versprach, in einem ungezwungenen Rahmen wissenschaftliche Themen zu vermitteln. Einige Professoren befürchteten gar eine Gefährdung der qualitativen Wissenschaftsvorträge. Mittlerweile sieht das anders aus. Der Science Slam ist aus den Universitätsstädten des Landes nicht mehr wegzudenken.
Auch in der Bundeskunsthalle findet am Mittwoch, dem 31. Januar, ein Science Slam statt. Inhaltlich eng an das interdisziplinäre Konzept der Ausstellung Wetterbericht. Über Wetterkultur und Klimawissenschaft angelehnt, widmen sich die Teilnehmer dem gemeinhin wichtigsten Thema der menschlichen Kommunikation – dem Wetter.

Nichts verstanden? Hier passiert das garantiert nicht!

Bei einem Science Slam treten mehrere junge Wissenschaftler gegeneinander an, die in einem knappen Zeitrahmen dem Publikum ihre Forschungsthemen präsentieren. Dabei dürfen, anders als beim Poetry Slam, auch Requisiten, PowerPoint-Präsentationen oder Live-Experimente mit in den Auftritt einbezogen werden. Ein verständlicher Inhalt spielt eine ebenso große Rolle wie die Performance selbst. Der Sieger des Abends wird durch eine mehrköpfige Publikumsjury gekürt, welche anhand von Punktetafeln eine Wertung für den jeweiligen Auftritt vergibt. Wer das Publikum also am meisten von seiner eigenen Forschung begeistern kann, geht als Sieger des Abends hervor. Während sich das Wort „Slam“ mit Wettstreit übersetzen lässt, führt das Wort „Science“ oftmals in die Irre. Es handelt sich nicht nur um naturwissenschaftliche Themen, sondern auch Geisteswissenschaften werden darunter verstanden.

„Wenn der übliche Wissenschaftsvortrag so etwas wie ein klassisches Konzert wäre, dann ist der Science Slam das Rockkonzert der Wissenschaft.“

Viele Teilnehmer sind Neulinge und wollen entsprechend gecoacht werden. Für den Slam in der Bundeskunsthalle entwickelte Science Slam-Spezialist Sven Daniel Gettys in Zusammenarbeit mit dem Team Kunstvermittlung einen Workshop, in dem zunächst die Ausstellungskuratorin Henriette Pleiger in die vielfältigen Aspekte der Ausstellung einführte. Erwartet werden nämlich nicht nur natur-, sondern auch kunst- und kulturwissenschaftliche Themen. Wie man diese für die Bühne aufbereitet, weiß Gettys ganz genau. Seit beinahe zehn Jahren ist er als Veranstalter in der Szene aktiv. Gemeinsam mit Erzähltrainerin und Sprecherin Melanie Goebel bereitete er die Slammer im Rahmen des Workshops auf ihren Auftritt vor. „Die stärkste Waffe der Wissenschaftler ist die Begeisterung für das eigene Thema“, so Gettys auf die Frage, was die wichtigste Voraussetzung für die Bühne sei. Etwas Wissenschaftliches in einfachen Worten zu erklären, sei jedoch weitaus schwieriger als es sich anhöre. Der Vortragende kann sich nicht auf Fachvokabular oder komplizierte Definitionen stützen. Die Slam-Coaches helfen bei der Ausarbeitung von bereits vorhandenen Textansätzen, und sie vermitteln außerdem, wie wichtig Einstieg und Ende für einen gelungenen Text sind. Wer sich da nicht die nötige Zeit nimmt, riskiert, dass dem Publikum der Vortrag nicht lang in Erinnerung bleiben wird.

Womit befassen sich Wissenschaftler eigentlich?

Die größte Hürde ist es, Kommunikationsprobleme zwischen Wissenschaftlern und Laien zu beheben. So erzählen viele der Teilnehmer/-innen, dass nicht einmal ihre Eltern wirklich wissen, woran sie arbeiten. Erklärungsversuche scheitern oft an zu komplexen Fachbegriffen oder der eigenen Blockade, etwas sehr Komplexes in einfachen Worten zu erklären. Der Science Slam bietet einen optimalen Rahmen für mehr Transparenz und schafft eine Kommunikationsebene, auf der sich Wissenschaftler und Laien auf gleicher Höhe treffen.
„Wir füllen Hallen mit 1500 Menschen, die Geld zahlen, um Wissenschaftsvorträge zu hören.“ Gettys ist sich angesichts des Zuspruchs sicher: „Wissenschaft gehört auf die Bühne!“ Und die, die sich einst dagegen sträubten, sind nun höchstwahrscheinlich selbst Teil des Publikums.


SCIENCE SLAM SPECIAL
Donnerwetter!
Mittwoch, 31. Januar 2018, 19 Uhr
in der Bundeskunsthalle