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Talking Heads: Vajiko Chachkhiani

Heavy Metal Honey

Vajiko Chachkhianis Arbeiten zeichnen sich durch eine kluge Konzeption und eine oft stille, inhaltliche und ästhetische Poesie, manchmal auch Melancholie aus. An einer fein ausbalancierten Schnittstelle zwischen der Realität der Außenwelt und der inneren, menschlichen Psyche gehen sie existenziellen Fragen des Lebens, unserer Wahrnehmung und Erinnerungskultur nach. Oft erst auf den zweiten, intensiveren Blick nimmt der Betrachter an Gedanken und Recherchen des 1985 geborenen georgischen Künstlers teil.

Allegorien des täglichen Lebens werden mit vertrauten Bildern augenscheinlich nacherzählt, aber subtil gebrochen durch unerwartete künstlerische Setzungen. Seine einzelnen Werke – Filme, Skulpturen, Performances, Fotografien und umfangreiche Installationen – zeichnen sich in der Gesamtkomposition durch eine dichte Narration aus, die verschiedene Spuren andeutet und alles in dramaturgischer Dichte verwebt. Die Materialien seiner Werke betonen historische Bezüge und die Verbundenheit mit seiner Heimat, die sein Œuvre teilweise prägt.

Wirken z.B. manche seine Filme zunächst vielleicht dokumentarisch, entziehen sie sich jedoch einer eindeutigen Entzifferbarkeit und eröffnen durch ein genaues Hinsehen und Untersuchen eine subtile, vielgeschichtliche und auch suggestive Kraft. Für einen kurzen Moment hält Chachkhiani das Rad der Zeit und der Geschichte an und bietet dem Betrachter ein metaphorisches (Gesamt-)Bild an, das oft das Verschwinden und das Verändern / Transformieren thematisiert und beim ‚Eintauchen‘ vielschichtige Erzählstränge offenbart.

Für die Ausstellung entwickelt der Künstler eine tiefgründige Installation, die durch Filme und Skulpturen den Kreislauf des Lebens und die Parallelität von Geschichten reflektiert, die nur ansatzweise sichtbar werden – vieles bleibt verborgen, kommt schließlich ans Licht und fließt zusammen, wenn Unerwartetes geschieht: Inneres wird nun auch äußerlich sichtbar. Globale und individuelle Geschichte sind punktuell untrennbar miteinander verknüpft, und nur der Moment des Handelns und des Erkennens gibt Geschichte(n) eine Wende, die die Erzählung und Wahrnehmung beeinflusst.

Der Künstler, der in Tiflis und Berlin lebt und arbeitet, absolvierte vor dem Studium an der Akademie der Künste bei Gregor Schneider ein Studium der Mathematik und Informatik in Tiflis. 2014 erhielt er den Förderpreis zum Rubenspreis. 2017 vertrat er Georgien auf der 57. Biennale in Venedig.


VAJIKO CHACHKHIANI
Heavy Metal Honey
bis 7. Oktober 2018
in der Bundeskunsthalle

  1. Vajiko Chachkhiani, Orpheus, Secret that mountain kept, 2018 © 2018 bpk/Scala, Vajiko Chachkhiani

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