Oona Doherty in Hope Hunt (and the ascension into Lazarus). Foto © Simon Harrison

Rau, präzise und poetisch

Oona Doherty – Hope Hunt

Rau und zugleich bis ins kleinste Detail präzise, so scharf und direkt wie poetisch – Oona Doherty, Tänzerin und Choreografin aus Belfast, kommt dem Publikum mit ihrer außergewöhnlichen Körpersprache sehr nahe. Mit uns sprach sie über ihre Arbeit, die am 19. Oktober in der Reihe live arts in der Bundeskunsthalle zu sehen sein wird.

Wir freuen uns sehr, Hope Hunt and the Ascension into Lazarus mit dir auf der Bühne hier in Bonn zeigen zu können. Kannst du uns erzählen, was dich bei der Kreation dieses sehr bewegenden Stücks inspiriert hat?

Ich habe das Stück ursprünglich mit und für den Performer Neil Brown aus Glasgow kreiert. Wir beide sind sehr von unserer Jugend geprägt und haben uns bei der Kreation des Stücks von dieser Zeit leiten lassen. 

Welchen Einfluss haben deine nordirischen Wurzeln bei der Entwicklung des Stücks gehabt?

Ich komme zwar aus Belfast und Neil aus Glasgow, dennoch konnte ich viele Gemeinsamkeiten zwischen unserem Heranwachsen feststellen. Dabei sind vor allem die Themen von jungen, aus der Arbeiterklasse stammenden Männern sowie deren Kleidungsstil und Rhythmus sich zu bewegen für unsere Arbeit relevant gewesen. In das Stück fließen viele Elemente ein, die auch in anderen europäischen Städten vorzufinden sind,  wie der Beton der Großstadt, Trainingsanzüge, Goldschmuck, kurze Haare, schnelle und nervöse Körper.

Für unser live arts-Programm wählen wir in der Regel Künstler-/innen aus, die interdisziplinär arbeiten, welche Kunstformen sind für dich wichtig?

Für meine Arbeit lasse ich mich von Film, Malerei und Musik inspirieren. Das sind alles unterschiedliche Kunstformen, die mir zur Verfügung stehen, und mit denen man Ideen eine Seele verleihen kann. 

Was genau hat Kurt Schwitters mit deinem Stück zu tun?

Er kam ins Spiel, als der Freund meiner Mutter Hope Hunt zum ersten Mal sah und das Stück mit einem Kurt Schwitters Gedicht verglich. Danach habe ich mich weiter mit ihm beschäftigt und den Charakter im Stück, der zuvor nur als „Deutschlehrer“ bezeichnet war, nach ihm benannt.

Kannst du deinen Tanzstil für jemanden beschreiben, der dich noch nicht live auf der Bühne gesehen hat?

Nein, nicht wirklich. Das hängt ganz von der Beziehung und Geschichte zum eigenen Körper ab. Es ist also eine individuelle Perspektive für jeden einzelnen Besucher. Man muss es sich am besten selbst ansehen, nur dann kann man sich ein Bild davon machen und für sich entscheiden, was man sieht.

Dich performen zu sehen hat bei mir äußerste Bewunderung ausgelöst. Du scheinst ganz leicht und selbstverständlich von einem Charakter in den anderen Charakter zu gleiten. Wie bereitest du dich darauf vor?

Ich glaube nicht, dass ich selbst wirklich weiß, wie ich das mache, auch wenn ich versuchen könnte diesen Vorgang aufzuschreiben. Man muss aber definitiv auf seinen Körper hören und die daraus entstehende Idee absolut ernst nehmen.


live arts präsentiert
OONA DOHERTY
Hope Hunt and the Ascension into Lazarus
Samstag, 19. Oktober 2019, 20 Uhr